ZH-Graubünden
3. Tages Tour
Tourfacts
Gesamte Strecke der 3 Tage 270KM
Höhenmeter 3060 hinauf / 2950 hinunter
Fahrdauer ca. 10 Stunden (netto)
Speed Ø 27 Std./Km
Stromverbrauch ca. 2000 Wh (oder 40 Rappen)
Zuladung gesamt: ca 25 KG (davon für eBike notwendige Materialien (Akku, Ladegerät, Kabel) ca. 5KG



Tour-Details
Tag 1 – Etappe 1 (Dauer 2:30 Std.)
Zürich- Weesen
63 Km
150 Hm
Fahrdauer 2:30 Std. (netto)
Speed Ø 25 KM/h
Herzfrequenz Ø 119 , Maximum 134 p/Minute
Stromverbrauch 370 Wh(unten der prognostizierte Energieaufwand = 325 Wh)





Tag 1 – Etappe 2 (Dauer 3 Std.)
Wessen – Chur
69. 3 KM
370 Hm
Fahrdauer 2:30 (netto)
Speed Ø 27 Km/h
Herzfrequenz Ø 119 , Maximum 134 p/Minute
Stromverbrauch 420 Wh (unten der prognostizierte Energieaufwand für diese Strecke = 433 Wh)


Chur – Filisur
52.4 KM
710 Hm hinauf / 330 Hm hinunter
Fahrdauer 1:45 Std. (netto)
Speed Ø 29 Km/h
Herzfrequenz Ø 125 , Maximum 146 p/Minute
Stromverbrauch 600 Wh








Filisur – Davos – Landquart
83.9 KM
1090 Hm hinauf / 1580 Hm hinunter
Fahrdauer 3:20 Std. (netto)
Speed Ø 25 Km/h
Herzfrequenz Ø 125 , Maximum 162 p/Minute
Stromverbrauch 650 Wh



Fazit:
Pros
- Mit dem eBike sind längere Touren, auch mit grösseren Distanzen und Höhenunterschieden möglich.
- Mit der Motorunterstützung kann die Herzfrequenz in einem gesunden Bereich gehalten werden.
- Mit einem sog. Cross Bike, können auch schlecht befestigte Strassen (Schotterwege) befahren werden.
- Auch weniger Trainierte können längere Touren absolvieren
- Eine Akku Ladung für eine Fahrt über 100KM kostet weniger als 50 Rappen.
Cons
- Akkus sind teuer und schwer.
- Die Reichweite pro Akku-Einheit (ca. 3KG) ist für schwere Bergetappen noch zu gering.
- Eine leerer 500Wh Akku benötigt ca. 4 Stunden Ladezeit bei 4Ah Ladestrom.
- Zeltplätze haben keine oder nur wenige seperaten Ladestationen für eBike Akkus.
- Da jedes System über andere Ladegeräte verfügt, muss dieses auf die Reise mitgenommen werden.
- Ein spontanes Umplanen einer Tour ist komplizierter (bzw. unmöglich) als bei Velos ohne Hilfsantrieb.
Tourbericht „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“
Seit Anfang Jahr habe ich mich für eine Tour ins Tessin und zurück vorbereitet. Zur Vorbereitung gehörten die Streckenplanung inkl. Energieaufwandberechnung, Erhöhung der körperlichen Fitness und dem bereitstellen von Material zwecks einer mehrtägigen Reise.
Für eine Velo-Tour mit Übernachtung im Zelt ist auch das Wetter eine wichtige Komponente der Durchführungsentscheidung. Das Zeitfenster war von ca. Juni 2018 bis Ende August 2018.
Am 7. Juni 2018 habe mich spontan entschlossen, die Reise am Folgetag in Angriff zu nehmen. Alle nötigen Materialien und die Routenplanung waren vorhanden, die körperliche Fitness im grünen Bereich.
Der erste Tag
Am Donnerstagmorgen um 06:15 war das Velo und der Fahrer bereit zum Aufbruch und los ging’s. Die erste Etappe führte durch die Stadt Zürich, dem See entlang, über die Linthebene nach Weesen am Walensee.
Morgens früh kommt man noch zügig zur Stadt hinaus und auch der Verkehr war bis Rapperswil SG nur gering. Erst dort stauten sich die Autos. Mit dem Velo konnte ich aber gut an der Schlage vorbeifahren und war um ca. halb acht endlich am Untersee. Die Streckte führte dann bald auf einen separierten Veloweg in der Linthebene. Das Wetter war angenehm, der Himmel bewölkt und es gab ganz leichten Nieselregen der mich veranlasste vorübergenend den Regenschutz anzuziehen. Schon bald stoppte der Regen und die Sonne setzte sich allmählich durch.
Die ganze Strecke der ersten Etappe war ca. 63 KM lang und meine Berechnungen liessen die Vermutung zu, dass der montierte 400Wh Akku für diese Strecke reichen würde. Ich pedalte vorwiegend im TOUR-Modus und bei leichten Aufstiegen benutze ich den eMTB-Modus. Bereits um 08:45 hatte ich Weesen erreicht, der Akkustand war bei einem Rest von 9KM im TOUR-Modus und damit belief sie der Energieverbrauch leicht über meinen Erwartungen.
Da war ich also, in Weesen, das Wetter wurde von Minute zu Minute besser und ich entschied, noch den nächsten Abschnitt nach Chur in Angriff zu nehmen. Nach einer kurzen Pause mit leichter Verpflegung und dem Montieren des 500Wh Akkus nahm ich kurz nach 8 Uhr die Fahrt nach Chur unter die Räder.
Auf dem Lenker des Fahrrades hatte ich mein Handy montiert, mit der Navigations App „Komoot“ am Laufen. Ich hatte bereits vor der Abfahrt aus Zürich die Routen ins Tessin geplant auf dem Gerät und online abgespeichert. Leider bin ich ein miserabler Kartenleser und Navigationssoftware, das sollte sich auf dieser Reise wieder einmal bestätigen, sind mir oft eher hinderlich als nützlich. Ich muss allerdings vorwegnehmen, dass die App jede meiner Bewegungen aufzeichnete und dies war immerhin ein Pluspunkt für die spätere Tourauswertung.
Zurück im Sattel Richtung Chur musste ich feststellen, dass die Strasse die zum Veloweg gehörte, gesperrt und eine Umleitung signalisiert war. Leider und dies sollte sich noch mehrmals auf der Reise bestätigen, sind die Umleitungen nur für den normalen Strassenverkehr gedacht und der Weg zurück auf den offiziellen Veloweg ist dann eher Glücks- und ev. auch. Nervensache.
Mit mehr Glück als Verstand habe ich dann den Weg zurück auf den Pfad nach Chur gefunden. Der erste Teil der Strecke führte am Walensee entlang, wo sich Feldwege und Asphaltstrassen abwechselten. An den Gestaden des Walensees ging es heftig rauf und runter und an einer Stelle am Berg befand sich eine Steigung weit über 20%, die mich und das Velo an die Grenzen brachte, da das Gefährt durch die Hecklast ziemlich zum nach hinten Hinüberfallen neigte. Mit dem TURBO-Modus schafte ich aber diese erste Herausvorderung und war vorkünftigen ähnlichen Ereignissen gewarnt (theoretisch).
In Murg am Walensee, habe ich dann einen Halt gemacht, um Nahrungsmittel und Getränke einzukaufen und mich etwas ausserhalb der Ortschaft das erste Mal seit der Abfahrt in Zürich richtig verpflegt.
Eigentlich ist so eine Fahrt mit einem Pedalec in etwa wie das Töfflifahren in der Jugend, nur das man halt noch strampeln muss. Beim Mofa kann einem das Benzin ausgehen und man findet dann Treibstoff fast an jeder Ecke. Mit dem elektro Velo ist das leider ein wenig komplizierter. Zwar gibt es auch bis ins letzte Tal Strom, aber erstens kann man nicht einfach anklopfen und fragen ob man ein wenig Strom haben könnte (man könnte das tatsächlich, ich würde es aber nur in äusserster Not machen) und zweitens hat man so einen Akku nicht in 2 Minuten wieder aufgeladen. Genau da liegt noch das grosse Problem bei Elektrofahrzeugen die mit Akkus ausgerüstet sind. Ein Akku mit 500Wh benötigt geschlagene 3 Stunden für eine Vollladung und dies mit einem Schnellladegerät. Die Angst im Nacken irgendwo ohne Energie liegen zu bleiben sitzt also viel tiefer, als bei einem mit Benzin, Diesel oder sonstigem Flüssigkraftstoff betriebenem Fahrzeug. Ein Pedelec ohne Strom ist nicht komplett immobil, aber mit einer Zusatzladung von fast 30 KG und dem Widerstand des Boschmotors wird das Fahren, auch auf ebener Strecke, zur Tortur.
Nach einer Stunde und 7 Minuten und 17,5 KM fahrt, hatte ich Walenstadt erreicht und somit die Strecke am Walensee hinter mir gelassen. Jetzt ging es ins Seeztal Richtung Sargans und Chur. Nach einer weiteren knappen Stunde Fahrt auf einem angenehmen Veloweg hatte ich Sargans erreicht und war etwa 10 Minuten später am Rhein, wo ein Weg teilweise am Fluss entlang führt.
Nachdem ich Sargans passiert hatte und wieder auf dem Veloweg gelandet bin (nach einer Umfahrung wegen einer gesperrten Strasse) hatte ich bereits 100KM in den Beinen und spürte zum ersten Mal Müdigkeit aufkommen. Von Sargans nach Chur blieben immer noch über 30 KM und das rechte Knie schmerzte bereits ziemlich unangenehm. Da die Strecke nur leicht anstieg, musste ich mich wegen genügend vorhandener Energie keine Sorgen machen, ich versuchte aber trotzdem so oft wie möglich im TOUR-Modus zu fahren, um nicht unnötig Akkupower zu verschwenden.
Auf dem Veloweg hatte es nur ganz wenig Verkehr, ab und zu noch ein Spaziergänger mit Hund(en), aber sonst kaum eine Seele auf der Strecke, mir wars recht so.
Noch vor der doch spontanen Abfahrt aus Zürich, hatte ich mir vorgenommen, die Pneus des Fahrrades zu wechseln, gegen ein Model speziell für Touren und dem rauen Untergrund der Naturstrassen und Feldwege. Rückblickend haben aber die montierten Schwalbe „SmartSam“ Reifen ihren Zweck bestens erfüllt, obwohl sie alles andere als geschont wurden. Zu diesem Thema muss noch bemerkt werden, dass sämtliche Wege und Strassen fast ausschliesslich trocken waren und die Reifen nicht bei Nässe ihre Tauglichkeit beweisen mussten.
In Landquart war ich so richtig auf den Felgen, die restlichen Kilometer wurden zu einer Qual. Um ca. 13 Uhr hatte ich endlich den Zeltplatz in Chur erreicht, dies nach über 130KM Fahrt und einem persönlichen Rekord in Sachen Velofahren am Stück. Ich war erledigt und ein wenig stolz, auch wenn mir bewusst war, dass ein Profi Velorennfahrer diese Strecke vor dem Morgenessen hinter sich bringt!
Ich bezeichne Campings immer noch als Zeltplätze, doch dieser Ausdruck beschreibt nicht mehr die aktuelle Situation. Schon seit längerer Zeit sind Campingplätze eher Zweitwohnungssitze denn Zeltplätze. Der Camping in Chur hat immerhin ein vom Pulk der stationären Wohnwagen separiertes Areal, speziell für Zelttouristen.
Meine Sorge galt dem Vorhandensein eines Stromanschlusses, da ich ja die beiden Akkus laden musste und dies möglichst im Zelt geschehen sollte (Die Akkus kosten neu über 600 Franken und man stellt sie zum Laden nicht gerne ins Freie). Da ich nur ein kurzes Verlängerungskabel bei mir hatte, war es wichtig so nah wie möglich an einer Stromquelle zu sein. Ich hatte Glück und nach kurzer Zeit war das Zelt aufgestellt und die Akku-Laderei konnte beginnen.
Eine Vollladung für beide Akkus kostet etwa 20 Rappen, für den Stromanschluss bezahle ich 4 Franken am Tag, so gerechnet, hätte man auch schon das Motorrad nehmen können. Kosten spart man durch den zwingend benötigen Stromanschluss nicht, aber immerhin kann man dann auch die anderen Geräte mit Energie versorgen. Pedelec fahren ist also alles andere als die grosse Freiheit, aber das war mir von vorneherein klar und ohne den eMotor hätte ich diese Strecke mit einem Fahrrad, auch ohne Gepäck, mit Sicherheit nicht geschafft.
Wer noch nie mit einem eBike unterwegs war, fragt sich vielleicht, weshalb man nach 135 KM Fahrt auf den Felgen sein kann. Unbestritten, der Elektromotor unterstützt enorm, aber er unterstützt eben nur. Jede Pedalumdrehung geht ebenso sehr in die Knochen wie das Sitzen auf dem Sattel. Die Konzentration des Fahrens ist auch nicht einfacher als mit einem Velo ohne Motor. Zudem unterstützt der Motor nur bis 25KM/h und darüber radelt man nicht nur gegen den Motoren-Widerstand (speziell beim Bosch-Motor), sondern bekommt auch das konstruktionsbedingte Mehrgewicht des elektro Velos zu spüren.
Touren Frischlinge werden davor gewarnt, nicht zuviel Gepäck mitzunehmen. Trotzdem hatte ich viel zuviel Gepäck geladen, erstens aus Angst vor Reifenschäden und dem Umstand, dass weder mein Zelt noch meine sonstigen Schlafutensilien Leichtgewichtsausführungen sind. Soviel sei verraten, ich werden nie mehr eine eBike Tour mit dem Zelt machen, aber zum Wieso komme ich später.
Chur zeigte sich von seiner schönsten Seite, das Wetter war bestens und ein Glücksfall, denn gleichzeitig gab es jenseits Graubündens fast in der ganzen Schweiz teils heftige Gewitter.
Ich ging einkaufen und benutze meinen neuen Gaskocher für eine herrlich wohltuende heisse Malzeit. Vorher war aber eine warme Dusche angesagt, welche Körper und Seele guttat.
Bis am Abend hatte es etwa ein halbes Dutzend Zelte auf dem Platz, vorwiegend von Velo Reisenden, aber Kontakt wurde keiner gesucht, die meisten verschwanden schon vor Sonnenuntergang in ihren Behausungen zum Schlafen, verständlich, ich selbst war auch froh bald dort zu landen.
Noch vor dem zu Bett gehen war mir klar, ich werde die Tour nicht wie vorgesehen absolvieren. Die Wetterprognosen fürs Tessin hatten sich verschlechtert und mir graute vor dem Verkehr am San Bernardino, weil anscheinend auch der Splügen-Pass teilzeitlich gesperrt war. Von jetzt an verliess ich den vorgesehenen Pfad und die ganze Reise ging in Improvisation über. Zuerst nahm ich mir vor via Albula nach Silvaplana zu fahren und dann über den Julier zurück. Aber dann nach der zweiten Nacht wurde mir bewusst, dass die Nächte in Silvaplana bitter kalt sein müssen und habe dann auch diesen Plan verworfen.
Wie bereits erwähnt, ging ich von nun an in einen Improvisations-Modus über und plante mit der Handy-App die Fahrt nach Silvaplana. Was sicher war, es ging nicht in einem Rutsch. Die Strecke musste halbiert werden. Zeltplätze gab es einige. In Frage kamen Filisur und Bergün. Bergün war idealer, da näher an Silvaplana und auch von der Energie der Akkus her, hätte es gereicht. Wichtig war aber, auf welchem Zeltplatz gabs Strom für meine Akkus? Ich sollte es am nächsten Tag erfahren.
Der zweite Tag
In der Nacht in Chur habe ich etwa 5 Stunden geschlafen und war nicht wirklich erholt. Meine in die Jahre gekommene, aufblasbare Matte verlor schon nach ein paar Stunden fast komplett die Luft und ich lag dem Boden noch näher als mit so einer Matte üblich.
Trotzdem begab ich mich nach dem Packen frohen Mutes auf die anspruchsvolle Route Richtung Filisur. Die ersten Kilometer nach Chur waren noch relativ flach, danach ging es jedoch steil bergauf und die Strecke forderte alles von Ross und Reiter. Teils war der Weg gespickt mit grossen Schottersteinen und die Steigungen erinnerten mich an alte Moutain-Bike Zeiten. Das Velo hielt tapfer durch und ich habe mit meinen über 150 KG und dank dem Motor etliche Velofahrer staunend (oder fluchend) hinter mir gelassen.
Velowege sind eine Sache, manchmal zum Haare raufen. Die Beschilderung ist spärlich und die Uebergänge von verschiedenen Strassentypen fliessend.
Vor Thusis war es wieder soweit, Umleitung. Anstatt in Richtung Filisur Albula bin ich dann auf der Via Mala Richtung San Bernardina gelandet. Da ein grosses Gebiet durch Bauarbeiten gesperrt war, musste ich über ein viertel Stunde suchen, bis ich wieder auf dem richtigen Veloweg war. Die Navigationsapp hat mich dabei mehr verwirrt, als mir weitergeholfen. Nach kurzer Zeit hatte ich komplett die Orientierung verloren und fuhr wie ich es am erfolgreichsten tue, nach Gefühl. Beim sich Verfahren mit dem e-Bike ist der Zeitverlust nicht das Schlimmste, viel gravierender ist die Tatsache, dass solche Aktionen unnötig Energie verbrauchen.
Die Fahrt jenseits von Thusis war anstrengend, aber die wunderschöne Gegend lohnte den Aufwand. Nach 40 KM Fahrt und 530 Höhenmeter war der erste Akku leer und ich nutzte die Gelegenheit für den Wechsel und eine Verschnaufpause. Bis nach Filisur fehlten noch 13 Kilometer und 180 Höhenmeter, also locker mit dem 500Wh Akku zu meistern. Auch für eine Weiterfahrt ins etwa 10 Kilometer weiter entfernte Bergün, hätte die Energie gereicht. Ich wollte aber zuererst in Filisur vorbeischauen wie es dort steht in Sachen Stromanschluss und mich gleichzeitig über die Sitaution in Bergün schlau machen.
Die Strecke vor Filisur führt gröstenteils durch den Wald, ist anspruchsvoll mit einem beladenen Gefährt, trotzdem war es ein Genuss über Stock und Stein zu blochen.
Schon vor Mittag habe ich den Zeltplatz in Filisur erreicht. Der Platz ist schön gelegen, aber eine eigentliche Zeltmensch Hölle. Der ganze Platz ist voll von Jahresaufenthaltern und es sieht dort aus wie in einer Kleinstadt. Ich wäre gerne gleich wieder weitergezogen, habe mich aber zuerst beim Campingpersonal erkundigt, ob es in Bergün Stromanschluss gäbe. Man hat es nicht gewussst oder wollte es nicht wissen, ich werde es nie erfahren. So habe ich dann einen Anruf gestartet und man hat mir in Bergün versichert, dass es keinen Stromanschluss gäbe. Nachträglich kann ich mir den Vorwurf machen, dass ich meine Frage falsch gestellt habe. Aber letztendlich spielt es keine Rolle mehr, denn nach einer weiteren Nacht im Zelt hatte ich mich entschlossen, nicht mehr nach Silvaplana zu fahren, erstens weil es da in der Nacht bitterkalt würde und ich die Camperei irgendwie satt hatte. Was sich schon in Chur angekündigt hatte, war nach einer miserablen Nacht in Filisur klar. Camping ist Geschichte für mich. Noch war ich aber zwei Tagesreisen von Zuhause entfernt, ich musste mir was einfallen lassen.
Mir war klar, dass ich die ganze Strecke zurück nach Zürich nicht in einer einzelenen Etappe schaffen werde. Auch die leichteste Variante, den gleichen Weg zurück, kam nicht in Frage. So habe ich mich entschlossen, einen Umweg über Davos zu machen, mit dem Ziel Landquart und dort zu entscheiden, wie es weitergeht.
Die Nacht im Zelt war kam mir endlos vor und ich fror, obwohl es über 10 Grad warm war.
Der dritte Tag
4. Etappe (Filisur-Davos-Landquart)
Mit etwa zwei Stunden Schlaf in den Knochen, habe ich mich am Morgen mit Sack und Pack, inkl. einen noch feuchten Zelt, aus diesen unfreundlichen Ort, an dem sich Individual Camper komplett unerwünscht vorkommen, auf den Weg nach Davos gemacht. Ich habe mich (zum letzten Mal) auf das Navigationsgerät verlassen und bin nach einem Kilometer in einem Geländeabschnitt mit 27% Steigung gelanden. Zuviel für mein Fahrrad und noch viel mehr für meine Nerven. Ich bin dann wieder hinunter auf die Hauptstrasse gefahren und bis Davos auf dieser geblieben.
Die Fahrt nach Davos ist ein beinahe durchgehendes Highlight, aber streng, sehr streng. Und als Randbemerkung, ich habe Toilettenpapier mitgenommen, die beste Entscheidung dieser Reise und absolut empfehlenswert, NIE OHNE.
Nach 27KM und 700 Höhenmetern ist der 400Wh Akku am Ende und ich bin noch ca. 7 Kilometer von Chur entfernt, da ich aber weiss, dass es nach Chur irgendwann hauptsächlich bergab geht, habe ich keine Bedenken in Sachen genügend Akku Power, obwohl noch 55KM zu fahren sind und installiere während einer kurzen Pause den Grösseren.
Davos zeigt sich im besten Licht, trotzdem mache ich nur eine kurze Fotopause. Dann fahre ich am Ausgang von Davos durch eine Baustelle und muss bzw. bin auf einer falschen Strasse gelandet. Wie das passiert ist, ich weiss es nicht, vermutlich gab es eine Hinweistafel, auf jeden Fall habe ich keine gesehen, oder übersehen. Die Strasse ist toll, gebe Vollgas und geniesse die perfekte Strassendecke. Dann ein Gewirr von Strassen und ich lande in einem Tunel. Nach kurzer Zeit wird mir bewusst, Du bist auf einer Autostrasse, oder wie das Ding auch heissen mag, auf jeden Fall haben Velos darin nichts zu suchen. Nach kurzer Zeit habe ich das erste Auto hinter mir, überholen verboten und mir wird klar, Du musst hier raus. Ich habe keine Ahnung wie lang der Tunel ist (über 4 KM wie ich später erfahre). Zum Glück ist der Tunel abschüssig, ich fahre mit voller Pedalumdrehung, beinahe 50KM/h. Hinter mir muss sich eine riesige Schlange gebildet haben. Ich pedale um mein Leben und das Loch scheint nie ein Ende zu nehmen. Dann endlich Licht. Ich stehe am Ende (oder Anfang) des Tunels und weiss, auf dieser Strasse kannst Du nicht weiterfahren. Nach einer kurzen aber heftigen Panikattake, entdecke ich einen stark abfallenden Weg seitlich am Tunelende, fahre hinunter und bin wie durch ein Wunder wieder auf dem Veloweg.
Später wird mir klar, dass diese Tunelstrasse für Velos gesperrt ist. Bei der nächstmöglichen Auffahrt auf die Hauptstrasse die ich passiere, ist tatsächlich eine (wechselbare) Signaltafel montiert, mit einem durchgestrichen Velo drauf, Zutt, ich habe diese ausgangs Davos nicht registriert!
Weiter gehts auf Nebenstrassen, hinauf und hinunter, mehrheitlich abwärts, die Gegend ist Bilderbuchtauglich, das Wetter auch, ich aber bin erschlagen, Landquart wo bist Du?
Ich muss noch einmal übernachten, bis nach Hause sind es noch mehr als 100 Kilometer. Doch der Akku würde nicht reichen die ganze Strecke und die Kraft noch weniger. Aber irgendwie kann ich mich an den Camping Platz in Landquart erinnern, keine guten Erinnerungen. Und tatsächlich kurz vor der Ortschaft Landquart liegt dieser Campingplatz gut beschallt durch den nahen Verkehr an einer Hauptstrasse. Ich habe mich nicht getäuscht, ich war schon mal dort, hatte mich kurz umgeschaut und bin dann weitergefahren, so wie ich es jetzt auch mache.
Ich bin mit den Kräften am Ende und mit den Nerven ebenso. Dann ein Geistesblitz, ich nehm den Zug. Fahre zum Bahnhof, frage wegen dem Mittransport des Velos inkl. Gepäck. Kein Problem, sagt man mir, hört man selten, aber es ist so. Fünf Minuten später bin ich und mein treues Fahrrad im Zug nach Zürich.