Erfahrung Bosch Performance CX (3. Generation)

Weshalb der Bosch Motor

Nach einem ausgiebigen Studium von Berichten und Videos zu eBike-Motoren und einem kurzen Test von Velos mit den Antrieben von Bosch und Yamaha habe ich mit für das Bosch-System entschieden.

Am Ende war es, trotz intensivem Bemühen nach einer rein sachlichen Begründung, doch eher ein Bauchentscheid, etwas unterstützt durch den Eindruck, der Bosch Motor würde etwas mehr Robustheit vermitteln.

Der Bosch Performance CX ist an einem Cube Cross (Pedelec) Velo (Modell 2017) montiert.

Ich habe das Velo in einer etwas grösseren Variante als eigentlich für meine Körpergrösse (Körpergrösse 173cm, Rahmengrösse 54) üblich gewählt, weil ich auf Touren mehr auf Stabilität als auf Agilität achte. Bei meinen ersten Tests hat sich dieser Vorteil bereits bestätigt. Einzig beim ab- bzw. aufsteigen, beispielsweise an der Ampel, bedingt die Grösse zwingend ein verlassen des Sattels, diesen Nachteil nehme ich jedoch gerne in Kauf.

Praxis

Erste Eindrücke

25Km/h sind wenig, sehr wenig. Schon nach ein paar Sekunden hat man die „Höchstgeschwindigkeit“ erreicht und das hat Folgen. Die Leistung des Motors geht dann nämlich nicht zurück, nein sie ist weg. Auch wenn man sich dessen schon vorher theoretisch bewusst war, merkt man es spätestens in der Praxis.

Beim Überholen eines Fahrers oder einer Gruppe von Velofahrern ist man sich gewohnt Fahrt aufzunehmen um den Vorgang zu kurz wie möglich zu halten. Fahre ich jetzt schon mit ca 25Kh/h schaltet sich der Motor bei einer Erhöhung der Geschwindigkeit ab und augenblicklich hat man das ganze Gewicht des Fahrrades und einer eventuellen Zusatzbeladung ohne Motorunterstützung zu bewegen. Je nach vorher gewählter Unterstützungsstufe ist das, als würde man mit gezogener Bremse in die Pedale treten.

Das gleiche passiert beispielsweise wenn eine Ampel in Sicht ist die bald auf Grün schaltet. Vom normalen Bike gewöhnt nehme ich auch hier Fahrt auf um während der Grünphase rechtzeitig über die Kreuzung zu kommen. Auf flacher Stecke ist man da meistens schon mit 25Km/h unterwegs und bei einer höheren Geschwindigkeit habe ich wie beim Überholvorgang das ganze Gewicht zu Bewegen. Schon bei der zweiten Ampel habe ich mir diese Verhalten abgewöhnt, der Aufwand ist einfach zu hoch, besonders wenn der Weg zur Ampel noch relativ weit ist.

Ein weiterer Vorteil ist die Kraftunterstützung beim Anfahren, diese wirkt sehr gelenkschonend und gibt zudem Sicherheit, weil das Anfahren zum gefährlichsten Manöver (kurzzeitige Instabilität) im Strassenverkehr zählt.

 

Die Unterstützungsstufen des Bosch Performance CX

Motorverhalten in verschiedenen Topologien

Flaches Gelände

Im flachen Gelände fährt man so gut wie immer an der Motorgeschwindigkeitslimite. Hier gewöhnt man sich schnell sportliches Fahren ab.
Der Vorteil ist dabei, dass man die Motorunterstützung auf „Tour“ oder gar auf „Eco“ stellen kann und so ohne allzugrosse Kraftanstrengung eine sehr hohe Reichweite pro Akku-Ladung erreicht.

Leicht fallendes Gelände

Fürs gewöhnliche Velofahren ist leicht fallendes Gelände ein Traum, weil sehr leicht hohe Geschwindigkeiten erreicht werden können.

Beim motorunterstützten Fahren mit der 25Km/h Begrenzung ist das anders. Hier erlebt man immer wieder, dass die Unterstützung des Motors aufgrund dem Erreichen der max. Unterstützungsgeschwindigkeit wegfällt. Wenn ich also über die 25Km/h komme, habe ich das Gewicht selber zu bewegen. Auch hier hab ich mein gewohnten Verhalten sehr schnell geändert und bleibe bei ca. 25Km/h.

Nachtrag 27.6.2022 zum Thema «Leicht fallendes Gelände»

Bei Abfahrten zwischen 1 und 3 Prozent Gefälle ist dieser Motor sehr schlecht, weil ein Gleiten noch nicht möglich aber die Geschwindigkeit von 25Km/h schnell erreicht wird, dadurch tritt man immer wieder gegen den Widerstand des Motors und damit einen Nachteil selbst gegen Fahrräder ohne Elektroantrieb.

Stark fallendes Gelände

Im stark fallenden Gelände wird die 25Km/h praktisch immer erreicht und so fällt die Unterstützung des Motors gänzlich weg.

Leicht steigendes Gelände

So richtig Spass macht so eine eBike wenn es bergauf geht. Bei leicht steigendem Gelände kann ich den EMTB-Modus wählen und mich so spielend mit bis zu 25Km/h durch die Gegend bewegen.

Stark steigendes Gelände

Im stark steigenden Gelände kommt zur Geltung, welche Kraft der Performance CX Motor entfaltet. Noch konnte ich diesen Modus nur Ansatzweise testen und da es sich beim Cube Velo um ein Cross-Bike handelt, werden meine Berichte sich auf Fahrten auf befestigten Strassen beschränken. Die ersten Fahrten in steilerem Gelände lassen aber viel Spass vermuten. Ich freue mich jedenfalls auf die Passfahrten mit Vollpackung

Erstes Fazit

Ich habe mir ein eBike gekauft, weil ich, mit bald 60 Jahren auf dem Buckel, beim Velofahren schnell in einen zu hohen Pulsbereich komme. Das eBike mit seinen verschiedenen Unterstützungsstufen gibt mir die Möglichkeit gezielt in einem idealen Pulsbereich zu bleiben, ohne den Spass beim Fahren zu verlieren.

Nach den ersten Kurztest bin ich begeistert wie gut dies gelingt. Das eBikefahren mit einer Limitierung der Motorunterstützung bei 25Km/h bedingt eine gewisse Verhaltensänderung beim Biken. Ich hatte mich während den ersten Fahrten Gedanken darüber gemacht, ob es nicht besser gewesen wäre, mich für ein Bike mit 45Km/h Unterstützung zu entscheiden. Fakt ist aber, dass ich mich mit einem Velo ohne „Töffli-Nummer“ wesentlich freier fühle und die 45Km/h Version und mich,  gerade in der Stadt, wohl unweigerlich zum „Rasen“ veranlassen würde. Zudem will ich keine Rennen gewinnen, sondern wieder in der Lage sein unbeschwert grosse Touren zu fahren und dies gelingt mit der gewählten Variante mit Sicherheit.

 

Peter Weber, Zürich, April 2018